Der Bereich der forensischen Psychiatrie gewinnt zunehmend das öffentliche Interesse. Zum Einen steigt die Zahl derer, die mit einer psychiatrischen Diagnose eine Straftat begehen (siehe Interview Reg.-Rat Kahl) zum Anderen regen die aktuellen Schlagzeilen (Kampusch, Amstetten,...). intensive Diskussionen über mögliche Hintergründe und sich daraus abzuleitende Konsequenzen an. Hier können wir durch die Erfahrungen der letzten vier Jahre einen fachlich fundierten und seriösen Beitrag bieten, da wir erfolgreich mit Menschen arbeiten, die aufgrund einer psychischen Erkrankung eine Straftat begangen haben: Von insgesamt 48 Personen, die inzwischen unsere Wohnhäuser in Salzburg und Linz wieder verlassen haben, musste nur bei zwei Personen (das sind 4 Prozent) der Weg in Richtung Freiheit wieder unterbrochen werden. Dies allerdings nicht aufgrund einer neuerlichen Straftat, sondern weil sie die
richterlichen Weisungen nicht erfüllen konnten (zum Beispiel: Alkoholabstinenz).
Für jene 46 Menschen, die nun nach einem 2-jährigen Aufenthalt in den Wohnhäusern der pro mente plus, gelernt haben mit ihrer Erkrankung besser umzugehen, ist meist eine langfristige Betreuung notwendig. So werden 15 noch in den forensischen Nachfolgewohneinrichtungen und zehn in klassischen psychiatrischen Nachsorgeeinrichtungen betreut.
Langfristiges Ziel muss sein, nicht zu reintegrieren und resozialisieren, nachdem jemand aufgrund seiner unbehandelten und unversorgten psychischen Erkrankung eine Straftat begangen hat, sondern die psychosoziale Versorgung in Österreich auf ein Niveau anzuheben, sodass jeder, der Unterstützung bei der Bewältigung seiner Erkrankung benötigt, diese auch erhält.
Die Hirnforschung macht in den letzten Jahren durch ständig optimierte Bild gebende Verfahren sehr große Fortschritte. Vielleicht kann diese Forschungsdisziplin helfen, psychische Erkrankungen doch in den Bereich somatischer Krankheiten zu ‘heben‘ – dadurch könnte mehr Klarheit darüber geschaffen werden, dass hier Behandlung nicht ausschließlich im klassischen medizinischen Sinn erfolgen darf, sondern dass es gemäß dem Dreisäulenmodell (Psychopharmaka, Psychotherapie, Soziotherapie) sehr individuelle, maßgeschneiderte und Personen orientierte Unterstützungsangebote geben muss. Der Schlüssel liegt eindeutig in der Prävention und bei der Versorgung von Kindern und Jugendlichen, die an psychischen Erkrankungen leiden oder Verhaltensauffälligkeiten zeigen. In diesem Bereich gibt es noch viel zu tun.
Wir beweisen mit unserer Arbeit ständig, dass funktionierende Konzepte vorhanden sind, allein der politische Wille zur flächendeckenden Umsetzung mit den dafür notwendigen finanziellen Ressourcen ist notwendig. Dennoch sehen wir die Entwicklung im Bereich der Forensik sehr positiv für unsere KlientInnen. Dank der außerordentlich intensiven Zusammenarbeit aller Beteiligten, wie Justizanstalt, Gericht, Klinik, Ambulanz und Wohnhaus, sind sehr effiziente Wege der Unterstützung entwickelt worden, mit denen wir Menschen sorgsam und professionell begleiten um sich in der ‘freien‘ Welt wieder zurechtzufinden.
Ing. Mag. Margret Korn
Geschäftsführerin von pro mente Salzburg und von pro mente plus
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