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[07.Jul.2008] Forensik bedeutet auch gesellschaftlicher Schutz

Forensische Psychiatrie hat eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe zu erfüllen. Die dort untergebrachten, zur Therapie aufgenommenen Menschen sind stigmamäßig mehrfach vorbelastet: einerseits wegen einer kriminellen Handlung, andererseits wegen psychischerErkrankung. Das erfordert ein besonders sorgfältiges und verantwortungsbewusstes Umgehen vor allem mit Fragen der Entlassung und Integration in die Gesellschaft.

IM BLICKPUNKT

Forensische Psychiatrie steht aber auch sehr im Blickpunkt der Öffentlichkeit, wenn spektakuläre Straftaten geschehen, werden forensisch psychiatrisch Tätige befragt um möglichst früh - und oft ohne detaillierte Information über die Persönlichkeiten - Aussagen zu Profil des Täters, der Krankheit und auch der Verantwortlichkeit zu erstellen. Die Öffentlichkeit hat ein gewisses Recht auf Information und es ergeben sich dadurch auch Möglichkeiten auf psychische Befindlichkeit von Menschen generell einzugehen.

Auf der anderen Seite muss man aber sehr aufpassen, dass nicht zu sehr verallgemeinert wird, d.h., dass die psychologischen Beweggründe und damit verbundene Straftaten als potenzielle Gefährdung von psychisch Kranken für die Allgemeinheit dargestellt werden. Dadurch wäre die Gefahr der Verstärkung der Stigmatisierung gegeben. Verschweigen freilich bringt nichts. Die Psychiatrie sollte meiner Meinung nach aktiv zu ihren Aufgaben und Möglichkeiten aber auch Grenzen stehen. Hier halte ich die forensische Psychiatrie wiederum für angetan selbstkritisch Grenzen ihrer Möglichkeiten auch auszudrücken und dazu zu stehen, dass gewisse Hintergründe und Motive von kriminellen Handlungen zu gewissen Zeitpunkten oder vielleicht auch immer nicht klar nachvollziehbar oder erklärbar sind.

Wie alle psychiatrischen Fächer ist auch die forensische Psychiatrie eine Disziplin, die multidisziplinär arbeiten muss. Sozialutopismus und irreale Haltungen haben in der forensischen Psychiatrie nichts verloren, wenngleich es unbedingt nötig ist, dass auch die forensische Psychiatrie den modernen Entwicklungen psychiatrischen Handelns folgt und den betreuten Personen entsprechende Angebote in Absprache mit Gericht und gesetzlicher Fundierung bietet.

Moderne Entwicklungen in der Diagnostik vor allem auch im psychologischen Bereich aber auch psychotherapeutische Vorgehensweisen und Unterstützung durch Ergotherapie, Kunsttherapie, Physiotherapie, Musiktherapie fördern die Erfolge im forensisch psychiatrischen Bereich und bieten eine wesentlich höhere Verlässlichkeit hinsichtlich Prognoseerstellung und damit auch gesellschaftlichen Schutz.



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