Dies sind einige Aussagen von Kindern, die psychische Erkrankung in der Familie miterleben und damit stark belastet und oft überfordert sind, wenn sie damit allein gelassen werden. Lange Zeit wurden die Kinder in Familien mit psychischer Erkrankung ganz einfach übersehen. Die irrige Annahme, Kinder bekämen ohnehin nichts mit oder seien zu klein zum Verstehen, war und ist ein zu leichtfertiges Vermeiden einer schwierigen Herausforderung. Wie können wir Kindern ein Krankheitsgeschehen erklären, das wir Erwachsene nur schwer verstehen können, das auch uns verwirrt, oft verängstigt und hilflos macht und dessen Erleben uns in die Sprachlosigkeit führt? Kinder trifft das verwirrende Erleben aber in einem Alter, in dem sie ihre eigene Persönlichkeit und Identität erst entwickeln und finden müssen, sie sind daher viel verletzbarer. Aber sie haben auch viele Ressourcen, die es zu nützen gilt! KINDLICHES ERLEBEN PSYCHISCHER ERKRANKUNG
Es ist wie ein Albtraum, der sich immer und immer wiederholt…“
„Keiner hat sich um mich gekümmert oder sich um Hilfe für mich bemüht…“
„Wenn die Dämonen meiner Mutter nach mir greifen…“
„Der Weg in die Hölle und wieder zurück…“
„Alle Sensoren waren ständig alarmiert, es hörte nie auf…“
„Mit meinen Ängsten war ich oft allein…“
„Mein Tagebuch – mein einziger Zeuge…“
„Erst nachdem sie in die Klinik gebracht wurde, konnte ich wieder schlafen“
„Ich hasste ‚sie‘ und vermisste meine Mutter…“
„Und immer wieder dieser irre Blick in seinen Augen… nicht schon wieder!“
„Das wahre Drama spielte sich hinter unseren Mauern ab – nach außen: wir sind eine normale Familie.“
„Die tägliche Angst vor dem Heimkommen von der Schule…“
„Ich konnte keine Ausreden mehr finden, warum mich Freundinnen daheim nicht besuchen durften..."
ÜBERLEBENSSTRATEGIE
Die negativen Auswirkungen elterlicher psychischer Erkrankung sind umso schwerwiegender, je jünger die Kinder sind und je intensiver sie in die Symptomatik des kranken Elternteiles einbezogen werden, je schlechter die Krankheitsbewältigung des Erkrankten selbst ist, je weniger kognitive Fähigkeiten das Kind hat und je mehr die kompensatorische Funktion eines stabilen gesunden Elternteiles fehlt.
WAS HILFT DIESEN KINDERN ?
An erster Stelle steht altersentsprechende Information und ein innerfamiliäres Klima der Gesprächsbereitschaft. Mindestens eine vertraute, stabile, Halt und Geborgenheit gebende Bezugsperson, die gefühlsmäßig auf das Kind reagieren kann, stärkt das Sicherheitsgefühl der Kinder. Schutz vor traumatisierenden Erlebnissen (z.B. Suizidversuche, (Zwangseinweisungen) können alle Erwachsenen im kindlichen Umfeld gewährleisten. Für Krisenzeiten ist ein in ruhigen Zeiten gemeinsam mit der ganzen Familie erstellter Krisenplan ebenso beruhigend und hilfreich, wie die Sicherstellung alltagspraktischer Unterstützung/Entlastung und Abnahme von übermäßiger Verantwortung für den kranken Erwachsenen in Krisenzeiten. Gute Außenkontakte zu Gleichaltrigen oder anderen wertvollen Menschen sollten gefördert und die eigenen Fähigkeiten und Ressourcen der Kinder gestärkt werden.
Gegenseitiger Austausch in Gruppen ähnlich betroffener Kinder und spielerische Verarbeitung belastender Erlebnisse ermöglichen den Kindern schon frühzeitig Belastendes in die eigene Lebensgeschichte gut zu integrieren. Primäre Prävention sollte Ressourcen der Kinder stärken, soziale Netze aufbauen und festigen und einem zu frühen psychiatrisch-diagnostischen Blick auf diese Kinder zuvorkommen. Sie könnte viel unnötiges Leid verhindern und die Prolongation psychischer Erkrankung über Generationen unterbrechen helfen.
AKTIVITÄTEN UND ANGEBOTE IN ÖSTERREICH
Psychosoziale Dienste arbeiten oft mit der
regionalen Jugendwohlfahrt zusammen bei der Lösungssuche und Unterstützung für die ganze Familie, HPE berät Angehörige auch im Umgang mit ihren Kindern. Das ist auch Teil eines in allen Regionen Tirols gehaltenen Vortrages „Depression betrifft die ganze Familie“, einer gemeinsamen Aktion von HPE mit dem Tiroler Bündnis gegen Depression.Kinder- und Jugendarbeit der HPE in der Familienberatungsstelle Wien
bietet prozessorientierte Einzelbegleitung der betroffenen Kinder und Jugendlichen durch eine Sonder- und Heilpädagogin, begleitender Austausch mit den Eltern zur Schaffung eines unterstützenden sozialen Gefüges für das Kind und bei Bedarf Kommunikation mit Ämtern und Schule ergänzen das Angebot.HPE-Selbsthilfegruppen für erwachsene Kinder von psychisch erkrankten Eltern in Wien und Innsbruck
ermöglichen, das in der Familie mit psychisch Kranken Erlebtes mit anderen Betroffenen zu teilen, aktuelle Betreuungsprobleme zu bearbeiten, Abgrenzung, Ablösung und Verantwortungsrückgabe zu erarbeiten und in gegenseitiger Entwicklungsbestärkung neue Freundschaften zu begründen.Präventionsprojekt „Jojo – Kindheit im Schatten“ von Aha! in Sbg.:
PsychologInnen und PädagogInnen bieten in Einzelsettings in Salzburg und im Pinzgau Kinderbetreuung mit spielerischer, kreativer und altersgerechter Bearbeitung spezifischer Themen rund um die psychische Erkrankung an, Eltern werden in Elterngesprächen eingebunden. Zu den Jojo-Aktivitäten zählen auch: Kooperation mit der Kinder- und Jugendanwaltschaft und anderen einschlägigen Vereinen und Institutionen, Öffentlichkeits-, Netzwerkarbeit etc.Projekt „Allein erziehende Mütter und Väter ohne Netz“ in Oberösterreich
bietet Unterstützung von psychisch erkrankten Frauen während der Schwangerschaft und nach der Geburt.Projekt „TakaTuka“ der Caritas in Tirol:
in Einzelfallbetreuung werden Kinder mit psychisch kranken Eltern durch einen aufsuchend arbeitenden Kinderpsychologen versorgt, Kooperation mit Tiroler HPE.Projekt „Kiesel“ (Kinder von Eltern mit seelischen Leiden) des Arbeitskreises für Vorsorge- und Sozialmedizin in Vorarlberg
unter Leitung einer DSA, zusätzlich gibt es Beratung von Kindern von psychisch Kranken durch eine FA für Psychiatrie.Lindauer Kreis
startete im Frühjahr 2008 eine vielversprechende grenzüberschreitende kooperative Planung von Projekten für Kinder psychisch Kranker bis 14 Jahren in den einzelnen Teilnehmerländern bzw. gemeinsame Veranstaltungen (Tagung) zum Thema „Kinder als Angehörige“.Erstellung einer Informationsbroschüre speziell für Kinder durch die Beratungsstelle in Wien.
Mag. Maria Fischer, HPE – Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter
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