Was haben Sie bei Ihrem größten sportlichen Erfolg, als sie den Marathon in Peking bei den Paralympics gewonnen haben, gefühlt?
Thomas Geierspichler: „Richtig realisiert habe ich es, als wir in das Stadion hinein gefahren sind. Da waren achtzigtausend Leute im Stadion. Ich war aufgeregt, bin aber trotzdem cool geblieben. Diesen Moment hab ich mir ganz aufgesogen und ich habe Gott gedankt, dass ich das erleben durfte. Als ich dann gesehen habe, dass ich
den Weltrekord gefahren bin, konnte ich nicht mehr packen.“
Sie haben neben Ihren sportlichen Erfolgen auch viel Pech in Ihrem Leben
gehabt. Wie schafften Sie es sich aufzuraffen?
Thomas Geierspichler: „Ich hab immer mehr in der Bibel gelesen. Ich bin zwar
kein frommer Mensch, der in die Kirche geht. In der Bibel stehen so viele geistige Grundsätze, ich hab sie dann wirklich wortwörtlich genommen. Wenn es wirlich Gott gibt, dachte ich mir, dann soll er mir dabei helfen mit meiner Situation zurechtzukommen. Ja, ich konnte dann meine Realität annehmen. Erst wenn man sich selbst angenommen hat, also auf einem Fundament steht, dann kann man ansetzen, dann wird man authentisch mit sich selber und dann schließt man Visionen und ein Ziel in sein Herz. Das ist mir dann so passiert. Jeder Mensch hat seinen für sich bestimmten Weg, und der ist mir nach und nach aufgezeigt worden. Mit dem Trinken, Rauchen und dem Kiffen hab ich von einem Tag auf den anderen aufgehört.
Ich hab immer mehr Lebensmut bekommen und immer mehr Energie ist in mir aufgestiegen. Und dann hat sich mein Ziel gezeigt, wie ich den schweren Sturz vom Hermann Maier in Nagano gesehen hab, und drei Tag drauf ist er Olympiasieger im Super-G geworden. Dann ist mir klar geworden, das möchte ich auch machen.“
Sie selber unterstützen auch Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen mit dem Projekt „walk‘n‘roll“.
Thomas Geierspichler: „Wir wollen behinderte Menschen unterstützen, ihre Visionen und Ziele zu erreichen. Wir unterstützen gerade einen Sportler, der seine Beine verloren hat, den „Ironman“ Triathlon anzugehen. Aber nicht nur Sportler werden von uns unterstützt, wenn ein blinder Mensch glaubt, er muss ins Himalaya-Gebirge gehen, wird er von uns unterstützt.“
„walk‘n‘roll“: WKTNR: 48447, BLZ: 35005
Interview von Mag. Thomas Hatheyer
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