Was verbindet Aktivitäten wie Joggen gehen, einen gemütlichen Spaziergang unternehmen oder Yoga betreiben? Diese Aktivitäten haben gemeinsam, dass sie uns körperlich gut tun, uns stärken und gleichermaßen auch unser seelisches Gleichgewicht fördern und unterstützen.
Förderung körperlicher Gesundheit
Allerdings ist dieses Wissen, was zur Förderung und Erhaltung der körperlichen Gesundheit zu tun ist, bereits im Bewusstsein vieler Menschen vorhanden und hat bei nicht wenigen Zeitgenossen eine nachhaltige Veränderung hin zu einem gesünderen Lebensstil bewirkt: eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse, regelmäßige sportliche Aktivitäten und bewusste Ruhephasen sind schon Allgemeingut geworden.
Das Verständnis für die notwendige Stärkung unseres seelischen Immunsystems ist weniger vorhanden, aber aktueller denn je, denn unser seelisches Gleichgewicht wird tagtäglich auf die Probe gestellt. Ängste, überhöhte Ansprüche, einengende Denkgewohnheiten, unerwartete Schicksalsschläge können in Beziehungen, Familien, am Arbeitsplatz oder im Wohnumfeld zu belastenden Konflikten führen. Und zumeist sind es nicht die großen seelischen Katastrophen, die seelisch schwächen, sondern die vielen kleinen über längere Zeit andauernden Stress- belastungen, die auch scheinbar ‚gut funktionierende’ Menschen oft schon bei nichtigen Anlässen zusammenbrechen lassen.
Fähigkeit zur Konfliktlösung
Seelisch gesund zu sein heißt nicht ständig zufrieden zu sein, oder sich ständig wohl zu fühlen. Belastungen, auch psychische, sind Teil unseres Lebens, also normal. Seelisch gesund zu sein bedeutet über Problem- und Konfliktlösungsfähigkeiten, persönliche Einstellungen und Hilfemöglichkeiten zu verfügen, um schwierige Situationen und seelisch zermürbende Lebensphasen besser bewältigen zu können.
Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Brisanz dieses Themas erkannt und unterstützt Kampagnen und Programme im Bereich der psychischen Gesundheit.
Solche wurden österreichweit und in einigen Bundesländern von pro mente austria Mitgliedsorganisationen und anderen Gesundheitsorganisationen bereits umgesetzt. Ein hilfreicher und anschaulicher Beitrag um sich besser gegen psychische Belastungen zu wappnen und die seelische Gesundheit zu fördern, sind die nachfolgend beschriebenen „10 Schritte zu psychischer Gesundheit“.
Diese „10 Schritte zu psychischer Gesundheit „sind als Denkanstöße gedacht. Wie mit den folgenden Impulsen und Anregungen zur Förderung des psychischen Wohlbefindens konkret umgegangen werden kann, zeigt eine von vielen, spontanen Rückmeldungen auf eine tirolweite „10 Schritte“- Postkarten- und Plakataktion: „Ich habe mir die „10 Schritte“ neben meinen Badezimmerspiegel geklebt, und jeden Abend gehe ich die einzelnen Punkte durch und ziehe Bilanz, was ich heute so an seelisch Wohltuendem für mich verwirklicht habe. Und in letzter Zeit bin ich übrigens ziemlich erstaunt und ein bisschen stolz auf mich, wie viel mir da schon gelungen ist!“
Nun zu den „10 Schritten zu psychischer Gesundheit“ im Einzelnen:
Schritt 1: Sich selbst annehmen - nobody ’s perfect!
Wenn ich mich selbst annehme, kann ich meine Stärken bewusst wahrnehmen und benennen. Ich weiß was mir gut tut! Im sicheren Bewusstsein meiner Ressourcen gelingt es mir auf die Signale meines Körpers und meiner Seele zu hören und deren Bedeutung zu verstehen. Dadurch kann ich auch Fehler und Schwächen akzeptieren, weil: Nur mittelmäßige Menschen sind immer in Bestform!
Schritt 2: Darüber reden - Beziehungskiller Nr. 1: Sprachlosigkeit
Es ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis, dass ich sowohl Freuden als auch Sorgen mitteilen will. Das setzt voraus, dass jemand da ist, der mir zuhört, der mich erzählen lässt. Dadurch wird Sorge geteilt und Freude verdoppelt. Auf den anderen neugierig zu sein, ihn verstehen zu wollen, ist Voraussetzung für ein gelingendes Gespräch und belebt Gefühle der Nähe und der Vertrautheit.
Schritt 3: Aktiv bleiben - Bewegung ist leben!
Noch vor 100 Jahren war körperliche Arbeit eine Selbstverständlichkeit. Heute verbringen wir bis zu 8 Stunden und mehr im Sitzen. Körperliche Bewegung und Aktivität sind ein positiver Ausgleich zu Überreizung, Arbeitsstress und überhöhtem Lebenstempo. Bewegung kann, muss aber nicht anstrengend sein. Hauptsache sie macht Spaß und passt zum eigenen Lebensalltag. 3 x wöchentlich 1 Stunde Bewegung steigert nicht nur das körperliche, sondern auch nachgewiesenermaßen das seelische Wohlbefinden.
Schritt 4: Neues lernen
Eine Entdeckungsreise, die mich aus dem Alltag herausführt
Etwas Neues zu lernen, heißt meine Neugier zu pflegen, meinem Leben wieder neue Impulse zu geben und dadurch mein Selbstwertgefühl zu heben. Das ist in jedem Fall eine persönliche, vielleicht aber auch eine berufliche Bereicherung. Lernen hat nicht nur mit unserem Hirn zu tun, sondern wir lernen mit all unseren Sinnen. Was ich mit Hingabe und Begeisterung lerne, lerne ich leichter und kann es besser in mein Leben integrieren.
Schritt 5: In Kontakt bleiben
„Ein Freund, ein guter Freund ist das beste...“ (comedian harmonists)
Ein soziales Netz schafft Zugehörigkeit, Bestätigung und Geborgenheit und sorgt dafür, dass wir in Krisen und Konflikten nicht alleine sind. Ein Netzwerk an guten FreundInnen zu haben ist aber nicht selbstverständlich – es will gepflegt werden!
Wer nie von sich hören lässt, läuft Gefahr auch von den anderen nicht mehr kontaktiert zu werden. Planen sie ausreichend Zeit für FreundInnen in ihre Lebensgestaltung ein und pflegen, bzw. reaktivieren Sie die Kontakte zu Menschen, die Ihnen wichtig sind.
Schritt 6: Etwas Kreatives tun - In jedem stecken verborgene Talente
Kreativität hat nichts mit künstlerischem Können zu tun. Eigene Sehnsüchte, Wünsche, Gedanken und Ängste sind oft schwer in Worte zu fassen. Im kreativen Gestalten können diese ihren Ausdruck finden und sichtbar werden. Kreativität schafft aber auch einen Ausgleich zu den alltäglichen Anforderungen und ist persönliche Kraftquelle.
Schritt 7: Sich beteiligen - Gemeinschaft macht uns alle stark
Als wertvoller Teil der Gesellschaft ist jeder nicht nur Teil-Nehmer, sondern auch Teil-Geber. Es braucht aber oft vom Einzelnen den Mut zur Begegnung um aus der
‚lonesome hero‘- Haltung herauszukommen. Es gehört zu den wichtigsten Lebenserfahrungen, sich als Teil einer Gemeinschaft zu erleben, die trägt und solidarisch zusammenhält – sei es bei Festen, in Vereinen, in Interessensgemeinschaften wo das ‚Wir’ als stärkende Kraft erlebt werden kann.
Schritt 8: Um Hilfe fragen
„Mögen hätt’ ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht ‘traut!“ (Karl Valentin)
Jeder durchlebt in seinem Leben Krisen, die ihn seelisch aus der Bahn werfen können. Mit vielen dieser Krisen können wir einfach nicht alleine zurechtkommen. Sich Hilfe zu holen ist kein Ausdruck von Schwäche, im Gegenteil: Es zeigt den Mut und die Kraft Problemen entgegenzutreten. Durch Hilfe von außen wird die Wahrnehmung der eigenen Hilflosigkeit verändert, der neue Blick auf die Situation ist meist schon ein erster, wichtiger Schritt die Krise zu bewältigen.
Schritt 9: Sich entspannen - In der Ruhe liegt die Kraft
Wir alle sind im Alltag sehr gefordert, durch Informations- und Konsumzwänge oft überfordert und schaffen es kaum uns zu entspannen, abzuschalten und uns gehen zu lassen. Bewusstes Innehalten und Einrichten von Pausen, bewusste Bewegung oder einfach bewusstes Ein- und Ausatmen bieten Gelegenheit Entspannungsphasen in den Alltag einzubauen.
Schritt 10: Sich nicht aufgeben
„Krisen bedeuten die große Chance sich zu besinnen“ (Viktor Frankl)
Schicksalsschläge, Schock, Trauer brauchen Raum und Zeit um emotional ‚verdaut‘ zu werden. In diesen Zeiten, wenn scheinbar nichts mehr geht, ist es gut sich auf seinen vitalen Rhythmus zu konzentrieren (Ernährung, Atmung, Schlaf, Bewegung), und sich bewusst zu werden, dass ich nicht für alles zuständig und verantwortlich bin. In solchen stürmischen Zeiten kann es hilfreich sein, sich professionelle Hilfe als ‚Rettungsring‘ zu holen.
Dr. Robert Fiedler
Leiter von
start-sozialtherapeutische
Arbeitsgemeinschaft Tirol
Tel.: 0512/584465
Fax: 0512/584465-4
E-Mail: office@verein-start.at
<< zurück


