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[08.Mai.2009] Rechtzeitiges Erkennen: Erste Hilfe in seelischen Krisen

Ein Todesfall oder das plötzliche Bekanntwerden einer schweren Erkrankung, die Trennung vom Partner oder der Verlust des Arbeitsplatzes können zu einer seelischen Krise führen“, sagt Monika Czamler, Leiterin des Psychosozialen Notdienstes (pnd) OÖ. von pro mente OÖ in Linz. „Aber auch Belastungen durch Konflikte in der Familie, finanzielle Sorgen und die Angst um den Arbeitsplatz können dazu führen, dass sich Krisen schleichend entwickeln“, erklärt die Psychotherapeutin. Freunde oder Kolleginnen können das oft nicht erkennen, denn die betroffenen Menschen vermeiden soziale Kontakte oder brechen diese sogar ab und geraten so in immer größere Isolation. Dann genügt oft ein geringfügiger Auslöser und die Krise wird akut. Das kann auch zu einer potenziell lebensgefährlichen Situation führen.

 

Reden hilft

„Wenn Sie das Gefühl haben, ein Mensch aus Ihrem Umfeld befindet sich in einer Krise, dann sollten Sie auf den Betreffenden zugehen. Fragen Sie, wie es ihm oder ihr geht und fragen Sie auch, ob Hilfe benötigt wird“, rät Krisenexpertin Czamler. „Sie sollten dabei den Betroffenen reden lassen, ohne vorschnelle Lösungen anzubieten.“


Nicht alleine lassen

„In einer akuten Krise ist es ganz wichtig, den betroffenen Menschen nicht alleine zu lassen“, erklärt Primar Werner Schöny, ärztlicher Direktor der Landesnervenklinik Linz. „Seien Sie für den anderen da und nehmen Sie sich Zeit.“ In der ersten Zeit nach einem schwerwiegenden Ereignis befinden sich Betroffene in einem Schockzustand. Diese können nach außen gefasst wirken, obwohl in ihrem Inneren ein seelisches Chaos herrscht. Miteinander schweigen, aber auch zuhören können, ohne zu beschwichtigen, ist dann wichtig.

Keine Hilfe ist es, wenn erklärt wird, die Situation sei doch gar nicht so schlimm. „Beschränken Sie sich am besten auf ein aufmerksames Zuhören und versuchen Sie, den Menschen in der Krise zu verstehen“, empfiehlt Schöny.

Wenn sich Menschen in einer psychischen Krise befinden, dann ist eines unbedingt zu beachten: „Nehmen Sie Hinweise des Betroffenen, sich das Leben nehmen zu wollen, in jedem Fall sehr ernst!“, appelliert Schöny. Und sorgen Sie rechtzeitig für professionelle Hilfe. Denn acht von 10 Menschen, die sich selbst töten, hätten dies vorher angekündigt. „Sagen Sie es ganz offen, wenn Sie das Gefühl haben, ein Mitmensch sei in Gefahr, sich etwas anzutun“, rät der Obmann von pro mente austria. „Schon alleine dieses Nachfragen kann für den gefährdeten Menschen sehr erleichternd sein“.


Mehr Anrufe

Die laufenden Berichte über die schlechten wirtschaftlichen Aussichten für das kommende Jahr führen beim Psychosozialen Notdienst zu einer deutlichen Zunahme an Anrufen. Es sind vor allem allein erziehende Mütter, die jetzt den Notruf wählen. „Sie fürchten um ihren Arbeitsplatz und sind nahe am Verzweifeln, weil sie im Falle einer Kündigung nicht mehr weiter wüssten“, berichtet pnd OÖ.-Leiterin Czamler. Die Anruferinnen seien verunsichert von Meldungen, welche die schlimmste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg prophezeien.

Erschütternd sei die Perspektivlosigkeit der Anruferinnen. „Du musst nicht alles alleine schaffen", rät die Psychotherapeutin. Das ist ein zentraler Leitsatz in der Krisenhilfe über den rund um die Uhr besetzten Notruf. Es gebe viele Beratungsstellen, die ganz konkret unterstützen können, um Lösungen zu finden. Auch bei schwierigsten finanziellen Notsituationen.


Die Anzeichen einer seelischen Krise

  • Angst, Trauer und Wut
  • Ausbrüche von Verzweiflung
  • Antriebslosigkeit und
  • Desinteresse
  • Sozialer Rückzug und Isolation
  • In sich gekehrt sein: Menschen gehen nicht mehr auf andere Personen ein, wirken desinteressiert, ruhig und vielleicht verschroben


Die Erste-Hilfe-Regeln bei seelischen Krisen

 

  • Hinsehen satt wegschauen
  • Auf einen Menschen in einer Krise zugehen
  • Sich Zeit nehmen
  • Zuhören oder gemeinsam schweigen
  • Geduld haben
  • Den Betroffenen in seiner Situation und Stimmung annehmen
  • Sich in den anderen so gut als möglich einfühlen
  • Eigene Meinungen und Werthaltungen zurückstecken
  • Sparsam sein mit gut gemeinten Ratschlägen
  • Rechtzeitig professionelle Hilfe holen

 

Info-Tipp


„Erste Hilfe für die Seele – Rat & Hilfe bei psychischen Problemen“. Die neue Broschüre von pro mente OÖ. kann helfen, psychische Krisen frühzeitig zu erkennen. Hier finden sie gut verständliche Antworten auf die Fragen „Wie erkenne ich eine Krise und wie kann ich dann helfen?, Wie erkenne ich eine Suizidgefahr?“, „Alkoholabhängig – Was kann ich tun?“ oder „Essstörungen, was nun?“.
Die Broschüre ersetzt weder Arztbesuch noch Psychotherapie oder Beratungsgespräch und kann direkt bei pro mente OÖ. unter 0732 6996 oder kuhnk@promenteooe.at  kostenlos bestellt werden.
Bei größeren Mengen
wird ein Unkostenbeitrag verrechnet.

Broschüre zum Download http://pmooe.at/sitex/index.php/page.2/

 



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