Was ist Freizeit? Die angewandte Psychologie definiert Freizeit als disponible Zeit – also für das Individuum „frei verfügbare Zeit“. Wenn wir von dieser Begriffsdefinition ausgehen, haben viele KlientInnen, AngebotsnutzerInnen von pro mente vorwiegend disponible Zeit und wenig verplante Zeit. Dieser Umstand bedingt, dass die „freie Zeit“ abhanden kommt – was paradox aber real ist.
So bieten Freizeitangebote oftmals durch ihre fixen Termine, an denen sie stattfinden, basale Struktur– und werden auch als strukturierender Faktor von den NutzerInnen in die Woche integriert. Damit erhält die Freizeitgestaltung auch eine andere Gewichtung.
Kontaktangebot
Ziel ist ein regelmäßiges Kontaktangebot im Gruppensetting, sowie die Förderung der Integration und ein Hintanhalten sozialer Isolation durch lustvoll erlebte Aktivitäten „Freude am Tun“ in Gruppen. Die Motivation zur Gruppenteilnahme soll durch Orientierung der Angebotspalette an den genuinen Vorlieben und Interessen der TeilnehmerInnen gefördert werden. Aufgrund des (nahezu in ganz Österreich) sehr breit gefächerten, inhaltlichen Angebots kann auch verschiedenen individuellen Bedürfnissen Rechnung getragen werden.
Das lustvolle Erleben der unterschiedlichen Aktivitäten und das Wahrnehmen von Sinn und Freude stehen im Vordergrund. Das Gruppensetting als solches soll die Kommunikation untereinander erleichtern, die gesellschaftliche Teilhabe fördern und somit soziale Integration ermöglichen.
Freizeitangebote
Die Freizeitangebote setzen bewusst meist niederschwellig an und holen die Betroffenen dort ab wo sie stehen. Was nicht ausschließt, dass es Entwicklungsmöglichkeiten und auch Projekte oder Angebote mit einem durchaus professionellen Anspruch gibt. Wichtig gilt an dieser Stelle auch zu erwähnen, dass es auf keinen Fall um Ghettoisierung, sondern um Teilhabe und letzten Endes soziale Integration geht. Dies ist auch der Anspruch der Psychosozialen Rehabilitation generell und die Freizeitgestaltung ist ein Segment in der Angebotspalette, denn die Lebensbereiche Arbeit, Wohnen und Freizeit bestimmen in ihrer Abhängigkeit wesentlich die Lebensqualität des Einzelnen. Hilfe in diesen Bereichen sollen vorrangig im Lebensumfeld personenorientiert und möglichst individuell abgestimmt erbracht werden.
Ergebnisse
Hierzu die Ergebnisse von der Psychiatrie Enquete aus dem Jahr 2005 für den Bereich Freizeit:
- Teilnahme am „allgemeinen Freizeitmarkt“, z.B. Integration in Vereinen, Initiativen, Gemeindegeschehen, Pfarren usw.
- Zugang zu leistbarer, abwechslungsreicher Freizeitaktivität
- Niederschwelliger Zugang
Einiges um nicht zu sagen vieles davon ist bereits Realität. Ein/e Klient/in, die den Chor im Rahmen der Freizeitgruppen von pro mente Wien besucht, hat de facto mehr reale Möglichkeiten sich den Sprung in einen anderen Chor „zuzutrauen“.
Ein weiteres Beispiel sind die Clubhäuser in Oberösterreich, aber auch die umfangreichen Sportangebote vieler pro mente-Einrichtungen. Ein besonderes Projekt im Rahmen der pro mente Austria ist hier das Urlaubsprojekt Atempause.
Geschützter Rahmen
In all den Angeboten geht es um den Abbau von Unsicherheiten im sozialen Kontext. Im geschützten Rahmen ist es eher möglich Dinge auszuprobieren, in Kommunikation zu treten und sich willkommen zu fühlen. Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die Kosten für Freizeitgestaltung. Hier ist beispielhaft die Aktion „Hunger auf Kunst und Kultur“ der Armutskonferenz in Zusammenarbeit mit dem Wiener Schauspielhaus zu erwähnen, die Menschen mit finanziellen Engpässen einen Zugang zu Kunst und Kultur ermöglicht.
Armutsforschung
„Armutsbetroffene besuchen um die Hälfte weniger (39 %) kulturelle Veranstaltungen oder Einrichtungen wie Personen mit ausreichendem Einkommen (82 %)“, zitiert Diakonie-Sozialexperte Schenk aktuelle Erhebungen der Armutsforschung. „Beim Besuch von Bibliotheken ist der Unterschied am geringsten, bei Theater, Musical, Konzerten und Kino am höchsten. Armutsbetroffene weisen einen dreimal geringeren Besuch von Kino, Theater, Konzert oder Musical auf als die Restbevölkerung.“ Diese Zahlen belegen, dass der kostenfreie Zugang für Freizeitangebote von pro mente-Einrichtungen essenziell ist.
Mehr Selbstwertgefühl
Weiters gilt zu erwähnen, dass sich die Angebote von pro mente über den Freizeitsektor hinaus auch im Bereich Kunst und Kultur angesiedelt und erweitert haben. Jene Einrichtungen und Projekte ermöglichen in unterschiedlichen Kunstfeldern wie Bildende Kunst, Schauspiel, Tanz, Musik, Rauminstallationen und Video zu arbeiten. Künstlerische und kulturelle Arbeit ermutigen in vielerlei Hinsicht zum authentischen Ausdruck, Phantasie und steigern die Lebensfreude. Speziell sind beispielhaft an dieser Stelle die Einrichtung Wien und das Kunstprojekt per arte in der Steiermark zu erwähnen.
Sina Bründler, MAS - pro mente Wien
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