Die Entwicklung der medizinischen psychosozialen Rehabilitation in Österreich ist eng mit der Arbeit von pro mente Austria verbunden. Spätestens seit der so genannten Psychiatriereform Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre, ist klar, dass ein Großteil der Rehabilitation außerhalb von Krankenhäusern und möglichst wohnortnahe durchgeführt werden sollte. Um dies möglich zu machen, war es notwendig den Boden aufzubereiten, bei Politikern, administrativ Verantwortlichen, der Allgemeinöffentlichkeit, vor allem aber auch bei den Betroffenen selbst und deren Angehörigen. Die von uns genannte Vorgehensweise - Tetralog - hat es erst möglich gemacht im größeren Umfang Rehabilitationsmaßnahmen durchzuführen.
Unterschiede
Die Entwicklung der psychosozialen Reha ist allerdings in regional unterschiedlicher Form abgelaufen und leider frühzeitig stecken geblieben. Es ist zwar gelungen einen Großteil der stationären Langzeitpatienten von den Krankenhäusern herauszulösen, aber es gelingt nicht im ambulanten Bereich ausreichende Angebote hinsichtlich Tagesbeschäftigung, Wohnplätzen, Arbeitsintegration, aber auch Freizeitgestaltung bereitzustellen. Vordergründig liegt dies an den ökonomischen Verhältnissen, was sicherlich einen wesentlichen Anteil trägt. Ohne Geld ist die Ausweitung derartiger Maßnahmen nicht möglich, wenngleich immer wieder zu betonen ist, dass die Durchführung dieser psychosozialen Rehabilitationsmaßnahmen dem Staat wesentlich günstiger kommt als langzeitstationäre Aufenthalte.
Kurz ein Beispiel: Würden in Oberösterreich noch tausend Langzeitpatienten im Krankenhaus verweilen, würde dies in etwa 127 Millionen Euro jährlich an Kosten verursachen.
Zeit fürs Umdenken
Ein weiteres Argument ist die Situation des Arbeitsmarktes. Je mehr gesunde Personen, die keine Arbeit bekommen oder deren Arbeitsplätze gefährdet sind, desto weniger Chancen haben Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Die Frage ist nur, ob die damit verbundenen Sekundärschäden wie vermehrte Rückfälle und Krankenhausaufenthalte, höhere Medikamentenkosten, höhere Betreuungskosten mehr verursachen, als wenn nach einem vorgegebenen Plan Arbeitsplätze unterschiedlichster Belastungskategorien in den bestehenden Betrieben geschaffen werden und diese in entsprechender Form unterstützt werden.
Ein weiterer Punkt, der nach wie vor zu größeren Problemen führt, ist die immer noch vorhandene Stigmatisierung psychischer Krankheiten und die daraus resultierende Diskrimination. Wenngleich die Situation sich verbessert hat, kann man noch nicht von Gleichheit sprechen hinsichtlich Umgang der Öffentlichkeit mit psychischer Krankheit und Behinderung gegenüber körperlich somatischen Beeinträchtigungen. Es wird wesentlich weniger Geld für die psychisch Kranken und Behinderten ausgegeben. Das Gesundheitsbudget geht zu einem hohen Prozentsatz in die somatische Medizin und Rehabilitation. Allerdings ist gerade im Bereich der psychiatrischen medizinischen Re- habilitation in letzter Zeit ein Umdenken zu verspüren und entsprechende Maßnahmen sind eingeleitet.
Als Letztes möchte ich noch das Thema Prävention ansprechen. Psychosoziale Prävention auf unterschiedlichsten Ebenen ist höchst erforderlich. Eine Gesellschaft zu schaffen, die hohen ethischen Anspruch hat, sozial Schwächere zu integrieren, die es ermöglicht und wahrnimmt, wenn Personen gefährdet sind bzw. auch große Unternehmungen im Arbeitsplatzbereich, im Schulbereich, im Bereich des Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen vornimmt, um psychische Festigkeit zu gewährleisten und starke Persönlichkeiten zu schaffen. Hierfür Gelder bereit zu stellen, wäre ebenfalls eine Aufgaben einer entwickelten Gesellschaft. Zusammenfassend lässt sich bemerken, dass die psychosoziale Rehabilitation in Österreich noch sehr viel Entwicklungsbedarf hat. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten steigt dieser Bedarf und stellt auch eine große politische Herausforderung dar. Wir glauben, dass die Verantwortlichen unseres Staates gut beraten wären, wenn sie gerade diesem Problem großes Augenmerk schenken würden.
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