Die Überschrift meines Artikels habe ich gewählt auf Grund des letztens bei mir stattgefundenen Grillfestes. Ein befreundeter Ingenieur, der als Entwickler in einem großen Unternehmen arbeitet, meinte „Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz, was soll denn das? Du hast vielleicht Sorgen! Uns interessiert nur, ob wir unseren Job auch behalten werden!“. Womit wir schon mitten im Thema sind.
Wir Menschen gliedern unsere Zeit im Wesentlichen in zwei Bereiche, den privaten und den dienstlichen oder arbeitsmäßigen. Die Bedeutung der Familie, unserer Freunde und Sozialkontakte auf das psychische Wohlbefinden sind wesentlich, allerdings können auch die Arbeit und das Arbeitsumfeld das Selbstgefühl stabilisieren oder destabilisieren.
Bedingungen zum Wohlfühlen am Arbeitsplatz
Arbeit muss drei Bedingungen erfüllen, damit sie Wohlbefinden steigern kann. Sie muss handhabbar sein (z.B. durch das Setzen eigener Akzente durch den/die ArbeitnehmerIn), verstehbar sein (z.B. indem vorgegebene Ziele verstanden werden und sich zu eigen gemacht werden) und sinnhaft sein (d.h. ein Engagement für Ziele soll möglich sein).
Wir leben in einer Zeit, in welcher Geschwindigkeit ein immer belastender Faktor wird und dies nicht über den Bereich der Telekommunikation, sondern auch in Betrieben an sich, wo es bei manchen zu laufenden Umstrukturierungen und Anpassung kommt um den steigenden Anforderungen im Sinne einer Gewinnoptimierung gerecht zu werden. Dieser Turbo schlägt sich unmittelbar auf jeden Arbeitsplatz nieder. Auswirkungen davon sind Störungen, welche in unterschiedlichster Form auftreten. Begriffe wie Depressionen, burn-out, Sozialphobie, arbeitsplatzbezogene hypochondrische Angst, arbeitsplatzbezogene generalisierte Angst und Besorgtheit sind keine seltenen Erscheinungen mehr.
Berufliches Engagement – angemessene Anerkennung
Die letzten Jahre tauchte auch ein neuer Begriff auf, die Gratifikations-Krise. Dabei handelt es sich um den Wunsch und die Vorstellung, dass wir alle es uns wünschen, dass unser berufliches Engagement, die von uns erbrachten Leistungen eine angemessene Anerkennung finden, dies nicht nur in finanzieller Hinsicht sondern auch hinsichtlich einer Arbeitsplatz-Sicherheit, einer Aufstiegs-Möglichkeit und mittels verbaler und nonverbaler Anerkennung.
Risikofaktor Arbeit – Realität Arbeitsplatz
Diesem berechtigten Wunsch widerspricht allein die Realität, dass es einen Arbeitsplatz auf Lebenszeit nie mehr geben wird, dass die Wirtschaft so programmiert ist, dass Flexibilität im Vordergrund alles andere überdeckt. Ein Konzern, der einfach seine Zelte im Land abbricht weil im Osten oder China die Arbeitskräfte billiger sind, ist mittlerweile selbstverständlich geworden, es verwundert nicht einmal.
In den Klein- und Mittelbetrieben der früheren Zeit gab es eine Firmenkultur, bei welcher es wesentlich mehr an Kommunikation und damit an Wertschätzung gab. Mag sein, dass es auch früher diese Wunschvorstellung nicht derartig intensiv gab, aber Tatsache ist, dass die unangemessen gering erlebte Wertschätzung der beruflichen Leistungen durch das Umfeld zu einem Risikofaktor wird, der immer öfter seine Konsequenzen mit sich zieht. Die Folgen sind einerseits seelischer Natur aber auch körperlicher Natur.
Ungünstige gesundheitliche Effekte
Vermehrt treten organische Symptome auf, welche aber bei genauer Untersuchung keinen objektiven Befund nach sich ziehen. Dies vor allem im Bereich des Herz-Kreislauf-Systems und in Form von Bluthochdruck etc. Ungünstige gesundheitliche Effekte bedingt durch Belastungen am Arbeitsplatz sind bewiesen, aber warum reagiert nicht jeder gleich darauf?
Dies ist eine Frage, die die Experten immer öfter beschäftigt. A. Hiller, St. Koch und D. Lehrt untersuchten Lehrer beiderlei Geschlechts und entdeckten hier drei Bewältigungs-Typen für den Umgang des
Stresses am Arbeitsplatz.
Bewältigungstypen – Unterscheidung
Der erste Typ ist der Typ, welcher gerade in Belastungs-Situationen das soziale Netz pflegt, welches hilft problematische Zeiten zu übertauchen. Es gibt aber auch Menschen, welche ein ruminativ-selbstisolierendes Verhalten an den Tag legen. Ruminatio bedeutet wiederkäuen, damit gemeint sind Menschen, welche ständig an den Problemen Grübeln, diese immer und immer wieder durchkauen was geschehen ist und sich permanent gedanklich damit beschäftigen, dies weit über die Arbeitszeit hinaus. Diese Menschen erleben sich auch tatsächlich isoliert und finden wenig Energie für aktive Entspannung. Eine Zwischenform zwischen den beiden bereits genannten Typen ist jener Typus, der Belastungen passiv erduldet und eine eher resignative Grundhaltung aufweist. Der sehr wohl sich aber auch aktiv entspannen kann. Was kann ich tun um psychisch gesund zu bleiben am Arbeitsplatz, was kann mir helfen dass ich nicht bedingt durch die Arbeit erkranke?
Strategien des Umgangs mit Belastungen
Wichtig ist abzuklären, wo die eigenen Möglichkeiten und Grenzen im Umgang mit beruflichen Belastungen liegen und sich dann Strategien des Umganges mit den Belastungen zu überlegen. Ganz wesentlich dabei ist nicht zuletzt der Auf- und Ausbau berufsbezogener Kompetenzen. Wichtig ist es, die sozialen Kontakte und eigenen Interessen nicht zu vernachlässigen und über die Arbeit hinaus sinnhafte Interessen zu entwickeln, welche Identität stiftet, die nicht nur an die Arbeit gebunden ist.
Leistungs- und Konkurrenzdruck
Arbeitsbelastungen, die zur Entstehung psychischer Erkrankung beitragen können und für die Führungskräfte der Betriebe verantwortlich sind, sind einerseits ein zunehmender Leistungs- und Konkurrenzdruck, Überforderungen und zeitliche Belastung mit Konsequenzen für die Lebensgestaltung, ein häufiger Wechsel von Aufgaben und Zuständigkeiten, Arbeitsunterbrechungen durch „stressige Zwischenfälle“. Durch die bereits erwähnten gesteigerten Anforderungen an Flexibilität und kommunikative Kompetenz entsteht ein größeres Konfliktpotenzial im zwischenmenschlichen Bereich, wo es oft keine Zeit gibt die Probleme anzusprechen und zu lösen. Ja, und wesentlich ist auch die Angst vor Versagen, Erkrankung und die Angst vor einem Arbeitsplatzverlust.
Wichtige Ressourcen und Strukturen
Fehlen zudem dann auch noch wichtige „Ressourcen“, fehlen zunehmend Strukturen, mit deren Hilfe Arbeitsbelastungen und Zukunftsängste aufgefangen werden können. Hohe Verausgabungsbereitschaft und unzureichende Stressbewältigungskompetenz sind die Folge. Es kommt zu einer immer stärkeren Nichtvereinbarkeit von Familie, Beruf und Anerkennung, häufig wechselnde Teams sind nicht selten die Folge.
Betriebliche Gesundheitsförderung im Wachsen
In den letzten Jahren ist der Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung im Wachsen begriffen. Schwerpunkte werden hier vor allem im körperlichen und ergonomischen Bereich gesetzt, wie wichtig die psychische Gesundheit ist, dies hat sich noch nicht derartig etabliert, was neue Programme und Schulungen der Führungskräfte nötig machen würde um unnötige Arbeitsbelastungen zu vermeiden.
DSA, Andrea Zeitlinger
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