
Nach ihrem Wirtschaftsstudium arbeitete Sasha Walleczek erfolgreich in der Softwarebranche in Amerika. „Ich habe eine Firma mit aufgebaut und war daher andauernd unterwegs. Ich flog drei bis vier mal wöchentlich quer durch Amerika. Unterschiedliche Zeitzonen, sehr unregelmäßige Mahlzeiten und sehr viel Arbeit führten u.a. dazu, dass ich am Ende der Woche oft zwei Schuhgrößen weniger hatte als am Wochenbeginn. Das klingt zwar absurd, ist aber wirklich passiert.“ „Ich mochte meine Arbeit und auch die damit verbundene Belastung – ich bezeichne mich selbst als Adrenalin-Typ. Ständige Überforderung fühlte sich gut an. Bis ich nicht mehr konnte und kollabierte.“
Lustlosigkeit
Davor gab es natürlich Anzeichen, die Sasha Walleczek aber nicht (mehr) wahrnahm. „Ich konnte nicht mehr so viel und so lange arbeiten, lag in meiner Freizeit nur noch müde auf der Couch und hatte keine Kraft mehr Freunde zu treffen. Ich wollte nicht wahrhaben, dass es mir trotz der Freude an der Arbeit nicht mehr gut ging.“
Ein Zusammenbruch folgte, den Sasha anfangs gar nicht ernst nahm: „Ich verspürte eine Taubheit im Gesicht und habe in zwei Tagen 40 Stunden geschlafen. Meine Glieder schmerzten. Da zog ich vor 10 Jahren die Notbremse. Der Arzt diagnostizierte eine klinische Depression, aber keiner wusste genau, was mit mir los war.“
„Mein Burnout wurde damals nicht als solches diagnostiziert, was meine Situation nicht erleichtert hat.“ Sasha Walleczek ließ sich karenzieren und ging zurück nach Tirol. „Ich zog mich zurück, mir war immer kalt. Ich hatte nur 46 Kilogramm. Ich konnte nicht einkaufen gehen, nicht aufstehen, ich hatte ständig Angst in Tränen auszubrechen.“
Sasha Walleczek hatte Schwierigkeiten ganz banale Dinge zu tun und für einen „Macher“ wie sie es war, war es schwer plötzlich mit ihren Grenzen konfrontiert zu sein. Familie und gute Freunde waren zu dieser Zeit sehr unterstützend. „Mein Umfeld brachte mir viel Verständnis und Unterstützung entgegen. Das ist, wie ich heute weiß, nicht selbstverständlich.“
Auftanken
Sasha Walleczek konnte sich aufgrund ihrer Lebenssituation Zeit nehmen. „Energie auftanken und sich nicht mehr auspowern“ war die neue Devise. Für Menschen, die z.B. Familie haben, ist die Lage viel schwieriger, da es für sie nicht möglich ist sich eine Pause zu gönnen und sich auf die eigene Entwicklung bzw. Heilung zu konzentrieren.
Der Zusammenhang zwischen Psyche und Ernährung wurde Sasha Walleczek in diesem Kontext immer klarer. „Heute bin ich überzeugt, dass Ernährung und psychische Gesundheit in Zusammenhang stehen. Mein Burnout hätte aufgrund der Arbeitswut und des permanenten Schlafdefizits wahrscheinlich nicht verhindert
werden können – aber wohl verzögert.“
Ständiges Auspowern führt unweigerlich zu einer Überforderung von Körper und Psyche. Menschen, die nach einem 12-stündigen Arbeitstag auch noch 2 Stunden exzessiv Sport betreiben, überfordern sich auf allen Ebenen.
„Ein sachter Umgang mit sich muss erlernt werden“ ist Sasha überzeugt. Ein ausgewogenes Maß an Bewegung und vernünftige Ernährung sind dabei essentiell. Was der tägliche Konsum von Zucker, Koffein und anderen Genussmitteln für unseren Körper bedeutet, wird von vielen unterschätzt.
„Heute habe ich gelernt auf die Warnsignale richtig zu reagieren und konnte so einen weiteren Burnout Gott sei Dank verhindern.“ Dieses Wissen bewahrt sie sicher davor ihre Grenzen erneut zu überschreiten.
„Ein Freitagsbier und übermäßige sportliche Betätigung (wie Leistungssport) bringen keine echte Entlastung. Spazieren gehen, Yoga, sich gut im Sinne von ausgeglichen zu ernähren hingegen schon. Man sollte sich auch erlauben, dass auch mal was liegen bleibt.“
Psychische Gesundheit
Das Motto welches Sasha Walleczek sofort unterschreibt ist: „Es gibt
keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit.“ Dieses Motto und alles was sie in ihrer Ausbildung zur Ernährungsberaterin und -therapeutin gelernt hat – und vor allem täglich umsetzt – gibt Sasha Walleczek in Form ihrer Bücher und TV-Sendungen an Interessierte weiter.
Ein Interview von Sina Bründler, MAS von pro mente Wien
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