Wer nicht brennt, kann nicht ausbrennen“, vom Burnout Betroffene schämen sich nicht! Sie bekennen sich zu ihrem gesundheitlichen Problem. Die Schuld liegt erst mal nicht bei ihnen, sondern an den Bedingungen der Arbeit, z.B. Überforderung oder Mobbing. Burnout ist die einzige psychische Krankheit ohne Stigma, sozusagen ein Ausweg aus dem psychiatrischen Dilemma.
Private Faktoren
Burnout als anerkannte beruflich bedingte Beanspruchungsreaktion, bei der auch private Faktoren mitspielen können z.B. Familie oder Wertesysteme, hat eine klare gesellschaftliche Akzeptanz, ist in den Medien stets präsent. Der Ausweg aus der Krise – aus der wirtschaftlichen wie aus der persönlichen – beschäftigt Journalisten und Experten aller soziale Fachrichtungen. „Es ist eine Angst zu spüren, um den Arbeitsplatz, um die Zukunft, eine schlechte fatalistische Stimmung“, berichten Vertreter der Arbeiterkammer. Denn die Arbeitslosigkeit ist um ein Drittel gestiegen, auch die Kurzarbeit nimmt weiter zu. Während die einen schon auf der Straße stehen, wächst der Druck auf die anderen, die ihren Job noch haben. Die Leute gehen vermehrt krank arbeiten.
Präventive Maßnahmen
Da nicht zu erwarten ist, dass sich diese Situation bald ändert, sollte auch gesundheitspolitisch gegengesteuert werden im Speziellen mit einer Forcierung präventiver Maßnahmen: wie ist der Umgang mit steigender Arbeitsanforderung, mit Konflikten, wie schützt man sich vor dem Ausbrennen, wie bewertet man die ersten Anzeichen, wie sind die Faktoren der Entstehung und des Verlaufs?
Literatur
Obwohl fast jeder von Burnout spricht und die ICD diese Diagnose immerhin als Zusatz anerkennt, befasst sich die psychologische und psychiatrische Literatur eher wenig mit diesem Phänomen. In diesem Gebiet forschen vor allem die Naturwissenschaften, welche verschiedene Stresstypen herausgearbeitet haben und dies in Korrelation zu biochemischen Markern (z.B. bestimmte Muster des Kortisolspiegels– aus dem Speichel bestimmt).
Umweltmedizin
Auch die Umweltmedizin liefert zum Thema Burnout unter dem Titel „multisystem illnesses“ sehr interessante Beiträge. Hierzu zählen das chronische Erschöpfungssyndrom, das chronische Schmerzsyndrom, multiple chemical sensitivity, electromagnetic sensitivity syndrom. Wer sich als Therapeut die Mühe macht, einen Kongress für Umweltmedizin zum Thema Burnout zu besuchen, wird einerseits erstaunt sein, wie konkret der Wissensstand über die Schadstoffauswirkungen auf den Menschen bereits ist, andererseits erschrocken über die mangelnden Konsequenzen in der Gesundheitspolitik sein.
Konsumverhalten
Wer meint, das sei alles nicht wirklich erwiesen, irrt gewaltig. Die Hintanhaltung der Berücksichtigung dieser Erkenntnisse hat wahrscheinlich etwas mit der Wirtschaft zu tun, die sich in einzelnen Bereichen nachhaltig mit entsprechenden Einbußen umstellen müsste. Und wahrscheinlich hat dies auch mit dem Konsumverhalten der Menschen zu tun: wer will sich z.B. beim Gebrauch des Handy einschränken?
Widerstandsfähigkeit
Neben den Schadstoffen und schädlichen Emissionen spielt der Lebensstil bei der Widerstandsfähigkeit gegen das Ausbrennen eine hervorragende Rolle: problematisches Ernährungsverhalten und Bewegungsmangel verursachen eine Stoffwechsel- und Gewichtssituation, in welcher vermehrt Entzündungsstoffe produziert werden; das führt zur Öffnung der Bluthirnschranke, Schädigung von Rezeptoren und Störung neuroendokriner Regelkreise. Bei entsprechender Neigung werden Angst und depressive Störungen sowie psychosomatische Schmerzsyndrome begünstigt.
„Moderne“ Erkrankung
Das Burnout-Syndrom als „moderne“ Erkrankung ermöglicht es, über den Tellerrand der Psycho-Wissenschaften hinauszusehen und der Komplexität von Zivilisationserkrankungen näher zu kommen. Ein Diagnose- bzw. Assessment für Burnout hat demnach neben den psychologischen Dimensionen wie Motivation und Sinn, stressfördernde Einstellungen und Verhaltensmuster, neben den begleitenden oder Folgezeichen einer psycho- bzw. psychosomatischen Störung, auch die Dimensionen des Lebensstils und der Umweltbelastungen zu berücksichtigen.
Massnahmenpaket
Hat nun ein entsprechender Burnout-Check die individuellen und ökologischen Faktoren herausgearbeitet, gilt es, ein passendes Maßnahmenpaket zu schnüren mit kurz- bis längerfristigen Interventionen. Das Wissen ist vorhanden, um präventive und therapeutische Angebote zu entwickeln, zugunsten ganzheitlicher Sicht- und Verhaltensweisen.
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