Die Welt und insbesondere die Arbeitswelt ist einem stetigen Wandel unterzogen. Dementsprechend verändern sich auch Beanspruchungen und Erlebensweisen von Beanspruchungen. Waren es anfänglich die lebensbedrohlichen Situationen am Arbeitsplatz, die beseitigt werden mussten und in einer nächsten Periode die körperlich chronischen Krankheiten, folgten weiters ergonomische Betrachtungsweisen, was die Gefährdung von Arbeitsplätzen betrifft. Letztendlich befinden wir uns in einer Phase, in der die psychischen Belastungen mehr beachtet werden. Die ungesunde Variante des Stress, nämlich der Disstress, unwegbare Belastungen in Form von Überlastung aber auch Unterbelastung führen zu Erscheinungen, wie sie als burn out oder bore out bekannt wurden.
Faktoren
Es sind eine Reihe von Faktoren, die angeführt werden müssen, wenn es um diese Erscheinungsbilder geht. Ich möchte hier nur einige anführen, wie Personalmangel, unregelmäßige Belastungsgipfel, intransparentes Führungsverhalten, Ungerechtigkeit und unklare Aufgabenstellung.
Selbstverständlich gibt es noch eine Reihe anderer Arbeitsbelastungsfaktoren. Es ist allerdings anzuführen, dass in der Regel hier auch persönlichkeitsspezifische Faktoren eine Rolle spielen, die private Situation, die Möglichkeit Entspannung zu finden, die Einbettung in ein soziales System sowie Partnerschaft und Familie. Das Klima am Arbeitsplatz, d.h. welches für ein psychisches Wohlbefinden sorgt, wirkt leistungssteigernd, führt zur Zufriedenheit der MitarbeiterInnen. Gut geführte Firmen haben seit langem erkannt, dass sie auf ihre MitarbeiterInnen schauen müssen, um deren Leistungsbereitschaft zu fördern.
Ein besonderes Phänomen, welches im psychischen Bereich zu großen Schwierigkeiten führen kann, ist Mobbing, d.h. die gezielte Bloßstellung und Verfolgung einzelner MitarbeiterInnen/Gruppen, die verschiedenste Hintergründe haben können. Es können diese genderbezogene Benachteiligungen sein, aber auch Menschen mit Migrationshintergrund, bildungsmäßig Benachteiligte oder auch überqualifizierte Personen oder aber Menschen mit Beeinträchtigungen. Gerade Menschen, die zu psychischen Störungen neigen, sind häufig Verfolgungen am Arbeitsplatz ausgesetzt. Das führt naturgemäß zu einer Verstärkung der psychischen Probleme und krankheitsbezogenen Auffälligkeiten. Es ist mit Freude festzustellen, dass man diesen Problembereichen in letzter Zeit vermehrt Aufmerksamkeit zuwendet und optimistisch betrachtet ist davon auszugehen, dass man der psychischen Seite der Gesundheit von Personen und der Förderung der Gesundheit am Arbeitsplatz besonderes Augenmerk schenken wird. Naturgemäß bedarf es einiger Zeit, um entsprechende Maßnahmen zu setzen.
Univ.-Doz.Dr. Werner Schöny, Obmann pro mente austria
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