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[22.Dez.2009] Für Ihren Schutz: Resilienzfaktoren in Zeiten der Krise

Vielleicht musste im Familien bzw. Bekanntenkreis bereits jemand diese bittere Erfahrung der existenziellen Bedrohung durchmachen. Die Reaktionen der betroffenen Personen sind erstaunlicher Weise völlig unterschiedlich: Manche Menschen werfen solche Ereignisse aus der Bahn, völliger Rückzug, Abbruch aller Kontakte und letztlich ist eine oft lange Therapie, ‘in der Psychiatrie‘ die einzig lebensrettende Möglichkeit. Ein anderer geht „völlig cool“ mit der neuen Situation um. Nicht nur das, die schier ausweglose Situation wird als Chance erkannt und genutzt. Neue Perspektiven entstehen, vielleicht ein Studium gestartet, eine neue Ausbildung begonnen, der Sprung in die Selbständigkeit gewagt oder in kürzester Zeit ein neuer Job angepackt, möglicher Weise die freie Zeit zwischen den „Lebensabschnitten“ genossen.

Resilienzfaktoren

Ein nicht auflösbarer Widerspruch?

Eine mögliche Antwort liegt in den personenimmanenten Schutzfaktoren, auch Resilienzfaktoren (nach Antonovsky 1987) genannt. Wenn Menschen schon von Kindheit an gewisse hilfreiche Faktoren lernen, haben sie es in ihrem weiteren Leben einfach leichter: Krankheiten und Schicksalsschläge werden besser verarbeitet, eine hohe Stressresistenz liegt vor. Ganz nach dem Motto: für den einen ist das Glas halb leer, für den anderen halb voll. Die Sichtweise macht‘s, letztlich auch darüber entscheidend, ob ein Mensch nach einem Tiefschlag wieder aufsteht oder erschöpft liegen bleibt. Und eines ist klar, wer aufsteht, hat die Chance, die Dinge zu verändern und zum Guten zu bewegen. Wenn man liegen bleibt, wird sich die Situation um einen herum nicht verändern. Zumindest können die Veränderungen nicht aktiv gesteuert und positiv beeinflusst werden.

Hier seien die besonderen Resilienzschutzfaktoren genannt: Eine stabile emotionale Beziehung zu mindestens einem Elternteil oder einer anderen Versorgungsperson; Soziale Unterstützung innerhalb und außerhalb der Familie, z.B. durch Verwandte, Nachbarn, Lehrer und Gleichaltrige; Ein emotional warmes, offenes strukturiertes und normorientiertes Erziehungsklima; Soziale Modelle, die zu konstruktivem Bewältigungsverhalten ermutigen, z.B. von Eltern, Geschwistern, Lehrern, Pfarrer; Dosierte soziale Verantwortlichkeit und Leistungsanforderungen, z.B. Sorge für andere Verwandte, Pflichten in der Schule; Kognitive Kompetenzen, z.B. ein mindestens durchschnittliches Intelligenzniveau, kommunikative Fertigkeiten, realistische Zukunftsplanung; Temperamenteigenschaften, die eine effektive Bewältigung begünstigen, z.B. Flexibilität, Annäherungsverhalten, Impulskontrolle; Erfahrungen von Selbstwirksamkeit, internale Kontrollüberzeugungen, Selbstvertrauen und ein positives Selbstkonzept; Die Art und Weise, wie die Person mit Belastungen umgeht, insbesondere die aktive Bemühung um Problembewältigung; Die Erfahrung von Sinn, Struktur und Bedeutung in der eigenen Entwicklung, z.B. religiöser Glaube, Ideologie.

Natürlich ist es schwer, sich diese Schutzfaktoren als Erwachsener anzueignen, wenn in der Kindheit bereits Defizite entstanden sind. Aber es ist nie zu spät! Und vor allem: Alter spielt keine Rolle! Ich will allen, die unter den Auswirkungen der Krise besonders in Mitleidenschaft gezogen wurden, Mut machen, sich aktiv Hilfe zu holen – durch einen kurzen Anruf bei der nächstgelegenen Kriseninterventionsstelle. Vereinbaren Sie einen Gesprächstermin oder organisieren Sie sich Unterstützung im Rahmen einer Psychotherapie. Bleiben Sie aber unbedingt in Kontakt mit Freunden, Verwandten und der Familie. Probleme lösen sich nicht von alleine und Angst und Stress bedeuten eine eingeschränkte Wahrnehmung und dadurch auch eine Einschränkung der Handlungsspielräume. Lassen Sie sich helfen, geben Sie Ihrer seelischen Gesundheit eine Chance! Niemand würde versuchen, mit einem gebrochenen „Haxn“ herumzurennen, ebenso wenig darf eine schwer verletzte Seele unbeachtet und unbehandelt bleiben!

Mag. Margret Korn, Geschäftsführerin von Pro Mente Salzburg



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