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für MitarbeiterInnen

[21.Jul.2010] Probleme in der Arbeitswelt

Bruchstellen oder Arbeitsmarktübergänge können als kritische Ereignisse betrachtet werden. Sei es der Übergang von der Schule in den Beruf, der Wechsel des Betriebs, der Wechsel des Berufes, der Übergang von einem Arbeitszeitmodell in ein anderes (familiär bedingt z.B.), der Übergang von Beruf in die Pension, all diese Bruchstellen der Arbeitswelt erfordern ein hohes Niveau an Anpassungsfähigkeit, Flexibilität und Ressourcen. Jeder dieser Übergänge birgt die Gefahr längerer Arbeitslosigkeit in sich, die wiederum zu sozialer Ausschließung führen kann.

Generell muss davon ausgegangen werden, dass aktiv sein zu können einen wesentlichen Einfluss auf unser psychisches Wohlbefinden hat. Werden wir dazu verdammt nicht mehr aktiv sein zu dürfen, nicht mehr teilhaben zu dürfen oder zu können, kann dies unweigerlich zu psychischen Beeinträchtigungen führen. Für die Fähigkeit zur Bewältigung der Bruchstellen spielen demographische, soziale und individuelle Faktoren eine wichtige Rolle. Günther Schmid in seinem Buch „Wege in eine neue Vollbeschäftigung“ beschreibt, dass die erfolgreiche Bewältigung diskontinuierlicher Erwerbsverläufe oder Bruchstellen im Arbeitsleben von mehreren Faktoren abhängt. Zum einen wie jede Person individuell derartig schockartigen Wandel wahrnimmt. Dann generell, wie es um die individuellen Eigenschaften und Fähigkeiten bestimmt ist und drittens wie das soziale Umfeld organisiert ist und darauf reagiert.

Wenn es zu einem Bruch kommt ist ein wesentliches Element der Zeitfaktor, wird der Zustand als „Schrecken ohne Ende“ erlebt, hemmt dies individuelle Bewältigungsstrategien und auch die innere Akzeptanz des Zustandes an sich. Niemand hält dauerhaft eine Situation aus, in der die Ziele nicht mit den Möglichkeiten in einem so „normalen“ Bereich wie Arbeit in Übereinstimmung sind. Am meisten betroffen sind hier die Jugendlichen, die schon bei der Wahl des Berufes oft resignieren, aus Angst die falsche Wahl zu treffen. Es erfolgen individuelle Anpassungsstrategien um dieser Situation Herr zu werden, dieser nicht gewollten Lebenssituation zu begegnen, die von der Öffentlichkeit aber nach wie vor als Arbeitsunwilligkeit oder Unfähigkeit wahrgenommen wird. In dem Bertolucci-Film „La Luna“ brachte ein Jugendlicher es auf den Punkt mit der Aussage „Ich hasse Arbeit, weil ich keine kriegen kann!“. Andererseits hat sich die gesamte Wertewelt in den letzten Jahren in dem  Bereich verändert. War es z.B. früher verpönt früher in Pension zugehen, erlebt man heute verstärkt den Drang und die Tendenz so schnell wie nur möglich in die wohlverdiente Pension zu gehen. Es wird als lebensqualitätssteigernd bewertet, wenn jemand vor dem 65. Lebensjahr es schafft in den verdienten Ruhestand zu gehen. Dennoch dies ist am Ende eines beruflichen Weges aber mittendrin und zu Beginn des Berufslebens ist alles möglich und damit auch bedingt ein Stress angesetzt, der zunehmend auch Berufstätige krank macht.

Wirtschaftskrise
Die Wirtschaftskrise der letzten Jahre führte daher zu einer steigenden Zahl an Menschen, die an Burnout erkrankt sind und aus der Arbeitswelt herausfallen, einerseits durch reale Rationalisierung aber auch durch die ewige Angst davor den Arbeitsplatz zu verlieren. Die erhebliche Zunahme beruflicher Übergänge und Sollbruchstellen erfordert Brücken, Brücken welche die Politik und Gesellschaft zukünftig schaffen soll damit diese Sollbruchstellen nicht psychischen und körperlichen Krankheitsfaktor eins auf der Skala der Erkrankungen wird. Dies geht nur indem Arbeitslosigkeit nicht an der Einzelperson aufgemacht, endlich entindividualisiert und stärker als Verantwortung der Gesellschaft wahrgenommen wird. Begleitung und Beratung in der Situation des Übertrittes aus dem Beruf in die Arbeitslosigkeit sollten nicht nur Führungskräften zur Verfügung stehen sondern gesellschaftlicher Standard werden. Eine enge Verknüpfung von erhobenen Arbeitsmarkttendenzen und Qualifikationsbedarf, erhoben durch Experten und nicht auf Zuruf der Wirtschaft oder Politik, wären ebenso wichtig wie Präventivmaßnahmen zur Stressreduktion in diesen Übertrittsphasen. Institutionalisierte Zusammenschlüsse Arbeitsloser unter dem Aspekt des Empowerment sollten die Funktion und Ressourcen erhalten Arbeitslose zu beraten, zu begleiten und Hilfestellung zu geben.

Je länger der Zeitfaktor der Arbeitslosigkeit dauert desto nötiger ist eine Begleitung beim Wiedereinstieg in die Arbeit. Der Stress, welcher vor allem die ersten drei Monate extrem ist, in der Angst wieder zu versagen oder auf der Strecke zu bleiben, kann durch gezieltes Coaching und Rückmeldungen vermindert werden. Eine derartige psychosoziale Begleitung wäre ein win win für alle beteiligten Akteure. Die Förderung lebenslangen Lernens, aber auch die Steigerung der Achtung vor jahrelang erworbenem Wissen, durch zu Nutze machen desselben auf anderer Ebene (schulend, Wissensvermittlung im Kontext der Verknüpfung von Theorie und jahrelanger Praxis etc.) wären ebenso zwei wichtige, in der Gesellschaft zu schaffende Säulen.

Wesentlich ist auch, dass die Gesellschaft und die Politik Abschied nimmt von den Gedanken, dass es derzeit Arbeit für jeden gebe und jeder individuell nur verantwortlich dafür sei, ob er eine bekommt. Wenn diese Innensicht unserer Gesellschaft sich endlich ändern würde, würde sie den Blick frei machen für Alternativen. Dies ginge nur indem nach einer bestimmten Dauer der Arbeitslosigkeit eine gesellschaftlich zugesicherte Beschäftigungsgarantie gegeben wird, auch wenn dies nur über die Einrichtung eines zweiten oder gar dritten Arbeitsmarktes möglich wird. Es muss ein öffentlicher Sektor der Beschäftigung geschaffen werden, der für jene zur Verfügung steht, die die Sockelarbeitslosigkeit ausmachen. Dies als anerkanntes gesellschaftliches Teil der Inklusion in die Arbeitswelt.

Andrea Zeitlinger, DSA, ist Geschäftsführerin von pro mente Steiermark



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