Zurzeit regiert das gesellschaftliche Klima der Angst. Täglich sind die Medien voll von Berichten über Katastrophen, seien es Naturkatastrophen, wie Erdbeben oder Vulkanausbrüche, sei es menschliches Versagen, wie ausfließendes Erdöl oder Wirtschaftskrisen, die besonders für Europa katastrophale Ausmaße annehmen können, Angst vor Geldentwertung, Inflation oder Berichte über Bürgerkriege.
Bruchstellen
Unter dieser globalen Stimmung gewinnen die persönlichen Bruchstellen im Leben und die persönlichen Einbrüche nochmals mehr an Bedeutung. Wir alle erleben Höhen und Tiefen in unterschiedlichster Ausprägung. Wenn wir Höhen als selbstverständlich nehmen, sind wir bezüglich der Tiefen in einer schwierigen Lage. Einerseits hat sich in unseren Breiten in den letzten Jahrzehnten sehr viel Wohlstand und relative Ruhe entwickelt, was dazu geführt hat, dass unsere Fähigkeit, mit Krisen fertig zu werden, gering geworden ist.
Andererseits ist gerade auch in unseren Breiten eine Entwicklung zu vermerken, dass immer mehr Menschen aus dem Gefüge des Wohlfahrtsstaates herausbrechen bzw. ein karges Randdasein führen. In jedem Fall gibt es für uns Menschen Situationen im Leben, die ein Umdenken erfordern, die unter Umständen das ganze Leben in eine andere Richtung weisen. Damit umzugehen ist im Einzelfall oft schwierig und mit starken psychischen und sozioökonomischen Nöten verbunden.
Viele Menschen kommen dadurch unter so starken Druck, dass sie in Richtung psychischer Symptomatik und Erkrankung driften.
Es entstehen Ängste, Schlafstörungen, verschiedenste körperliche Symptome, Leistungs- und Konzentrationsstörungen und Depressionen. Es ist uns ein Anliegen, diesen Menschen Unterstützung zu bieten und möglichst frühzeitig ihre Gefährdung in Richtung psychischer Krankheit wahrzunehmen und entgegenzusteuern. Es darf aber nicht nur uns ein Anliegen sein, es muss auch der Gesellschaft und den Verantwortlichen ein Bedürfnis werden, diejenigen Menschen zu unterstützen, die sich in schwierigen Lebenslagen befinden oder schwierige Situationen oder traumatische Erlebnisse zu bewältigen haben.
Neben der hohen ethischen Verantwortung dies zu tun, darf auch auf den realen sozioökonomischen Wert hingewiesen werden, den eine rechtzeitige Behandlung bringt. Weniger Krankenstände, weniger Krankenhausaufenthalte, weniger Frühpensionierungen und mehr Einbringung von menschlichem Kapital in den Gesellschaftskreislauf sind Effekte eines positiven Umgangs mit dieser Problematik.
Univ.-Doz. Dr. Werner Schöny, Obmann von pro mente austria
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