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[11.Jan.2006] Sozialpsychiatrie in Österreich: Neue Ziele durch klare Orientierung

Die Österreichische Psychiatrie-Enquete in Linz wurde am 11.November im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen veranstaltet. Anlass war die Minister-Konferenz in Helsinki, die zu Jahresbeginn in einem Zwölf-Punkte-Programm beschlossen hat, die psychosoziale Versorgung in Europa zu verbessern. Österreich hat nun in den kommenden zehn Jahren an der Umsetzung der zwölf Punkte zu arbeiten. 
Eine Zusammenfassung der zwölf Punkte lesen Sie bitte in untenstehendem Kasten.

„In Linz beginnt's" - Diesen bekannten Werbesatz hautnah mit Leben erfüllt zu sehen, war wohl das Gefühl des Gros der TeilnehmerInnen der Linzer Enquete. Die Aufbruchsstimmung war förmlich spürbar, wenngleich sich doch auch Enttäuschung an der Abwesenheit der politisch Verantwortlichen in entscheidenden Diskussionsphasen breit machte. „Bei der Eröffnung waren sie da, wenn's ums Eingemachte geht – sind sie fort..." war etwa eine Wortmeldung, die gegen Ende der Enquete am späten Nachmittag mit großem Applaus bedacht wurde: „Wir wollen, dass etwas weitergeht, wir wissen, dass schöne Worte alleine zu wenig sind...", formulierte dazu ergänzend nach der Veranstaltung ein anderer Tagungsteilnehmer.

„Dafür, dass es weitergeht, dafür müssen und dafür werden wir sorgen, indem wir der Politik die Probleme klar machen. Wir müssen das so umsetzen, dass die politisch Verantwortlichen damit umgehen können. Zu diesem Zweck wird es sehr rasch ein gemeinsam von pro mente austria und der Gesellschaft für Psychiatrie und
Psychotherapie verfasstes Dokument geben", hatte zuvor der Obmann von pro mente austria, Univ.- Doz. Primarius Dr. Werner Schöny in seinen Schlussworten nach getaner Arbeit angekündigt. Und diese Arbeit bei der Enquete war umfangreich - und sehr erfolgreich. In insgesamt fünf Arbeitskreisen hatten Fachleute aus Psychiatrie und Psychologie, aus den Pflegediensten ebenso wie aus diversen Fachbereichen, aber auch Angehörige und Betroffene sowie Experten aus diversen Behörden und Journalisten Bestandsaufnahmen vorgenommen und Vorschläge erarbeitet.
In den Arbeitskreisen waren natürlich VertreterInnen aller Mitliedervereine und Organisationen von pro mente austria aktiv federführend dabei. „Jeder Einzelne in den Arbeitskreisen hat sehr viel zur Weiterentwicklung beigetragen", so Dozent Schöny. Und:
„Wenn in Österreich das alles umgesetzt wird, dann haben wir enorm viel erreicht".

Die Arbeitskreise haben sich mit folgenden Themen beschäftigt:

  • Prävention, Stigma und Gesundheitsförderung
    (Vorsitz. Prof.Dr. Ulrich Meise und Prof.Dr. Günter Klug)
  • Therapie
    (Vorsitz: Dozent Dr.Werner Schöny und Prof.Dr. Christof Stuppäck)
  • Finanzierung
    (Vorsitz: Prof.Dr. Karl Dantendorfer und Prof.Dr. Heinz Katschnig)
  • Partizipation
    (Vorsitz: Elisabeth Muschik und Userinnen-Vetreterin)
  • Lebensform
    (Vorsitz Christian Rachbauer und Andrea Zeitlinger)

Die Ergebnisse der einzelnen Arbeitskreise im Detail sowie dazugehörige Analysen lesen Sie bitte im Artikel "Ergebnisse der Linzer Enquete".

Als gemeinsames Ergebnis lässt sich freilich zusammenfassend sagen: Es gibt ganz klare Ziele mit einer neuen Orientierung. Die KlientInnen (User), die Angehörigen sowie alle bei der Betreuung tätigen ExpertInnenen und natürlich der Gesetzgeber können freilich jede positive Veränderung nur in Gemeinsamkeit bewerkstelligen. Es ist vieles möglich, aber alles wohl nur stufenweise. Oder wie es der international renommierte Schweizer Psychiater Prof. Dr. Norman Satorius, ehemaliger Präsident der World Psychiatric Association (WPA), auf den Punkt brachte: „Nicht zu langfristig planen, denn die (politischen) Rahmenbedingungen ändern sich oft..."

In der Eröffnungsrede der Enquete hatte der Obmann von pro mente austria, Univ.- Doz. Dr. Werner Schöny, auf die nunmehrige gemeinsame Initiative von pro mente und der Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie hingewiesen.
Schöny war ja als österreichischer Delegationsteilnehmer bei der Konferenz von Helsinki bei der Entstehung des EU-Aktionsprogrammes mit dabei: „Heute in Linz ist der Startschuss zu weiteren Maßnahmen gefallen", so Schöny. Univ.-Prof. Dr. Christoph Stuppäck, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, verwies auf ein äußerst bedenkliches Kuriosum, das den Stellenwert von psychischer Gesundheit widerspiegelt: „Die Schönheitschirurgie und die Psychiatrie teilen ein Schicksal. Die Leistungen werden von den Krankenkassen nicht bezahlt..."
Auch die Stigmatisierung aus Gedankenlosigkeit („...was, der braucht Psychopharmaka...") sei ein großes Problemen. Es müsse prinzipiell jeder die medizinische Hilfe erhalten, die er braucht.

Referate hielten Dr. Robert Schlögl (Bundesministerium für Gesundheit und Frauen) in Vertretung von Ministerin Maria Rauch-Kallat. Christof Leitl, Präsident der Bundeswirtschaftskammer und Dr. Norman Satorius, ehemaliger Präsident der WPA und der Psychiater Dr. Heinz Katschnig. Christoph Leitl forderte ein „sozialemotionales Denken neben einem ökonomischen Denken. Er sprach sich auch vehement gegen eine generelle Sonntagsarbeit aus.
Das Ergebnispapier der Linzer Enquete wird – wie in diesem Artikel schon erwähnt - jetzt der Politik übermittelt. Das heißt dann natürlich
auch: sie ist jetzt am Wort.



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