Der Umgang mit psychisch kranken unzurechnungsfähigen Straftätern ist eine große Herausforderung für die Gesellschaft. Pro mente austria weist einen Weg.
Wie wir wissen ist der Großteil der Menschen mit psychischer Beeinträchtigung keineswegs gefährlich und hat keine Neigung zu erhöhter Kriminalität. Die Gruppen von psychisch Kranken, die eine erhöhte Gefährlichkeit aufweisen sind relativ klar umschrieben. Das gilt auch für das Gefährlichkeitspotenzial.
Die forensische Psychiatrie beschäftigt sich allerdings mit der Gruppe von Menschen, die im Rahmen einer psychischen Krankheit eine Straftat begangen haben und deshalb für diese Straftat nicht zur Rechenschaft gezogen werden können, weil sie nicht zurechnungsfähig sind. Im Klartext bedeutet das, sie können weder das Unrecht ihrer Tat einsehen, noch dem Einsehen entsprechend handeln (Disposition und Diskredition, Dispositions- und Diskreditionsfähigkeit). Für diese relativ kleine Gruppe von Personen sind besondere Angebote vonnöten um ihnen eine entsprechende gesetzlich fixierte Behandlung zukommen zu lassen.
Im Rahmen der pro mente austria gibt es eine ganze Reihe von Trägerinitiativen, die diesem Angebot gerecht werden. Es handelt sich vorwiegend um spezifische sozialpsychiatrische Angebote, da der stationäre Bereich den psychiatrischen Krankenhausabteilungen vorbehalten bleibt, auch hier ist der Trend zur Spezialisierung unübersehbar. So wurde beispielsweise vor einigen Monaten in Linz ein eigenes Primariat für forensische Psychiatrie eingerichtet. Forensische Patienten müssen nämlich oft sehr lange unter gerichtlicher Überwachung therapiert werden. Die Unterbringung im Krankenhaus ist sehr kostspielig und das ist auch ein Grund warum alternative Betreuungsmethoden angedacht werden. Das sind einerseits probeweise Entlassungen im Rahmen der so genannten UDU (Unterbrechung der Unterbringung) und andererseits
ambulante Betreuungssettings im Rahmen von FORANGS (Forensischen Ambulanzen).
In Österreich nehmen die forensisch-psychiatrischen Patienten zu, das hat allerdings legistische und auch soziale Gründe. Es findet sich keine Zunahme bei schweren Delikten, die von Menschen im Rahmen von psychischen Erkrankungen verübt werden.
Als für den sozialpsychiatrischen Bereich zuständige Vereinigungen muss es uns ein wichtiges Anliegen sein, sich auch um diese Gruppe von Menschen entsprechend der modernen Erkenntnisse zu kümmern. Pro mente austria ist am Weg dazu.
Dabei zeigt sich auch, dass gemeinsame Projekte und Zusammenschlüsse sich als durchaus hilfreich erweisen. Vielleicht ist dies ein Weg der Zukunft, der unsere Devise „gemeinsam sind wir stärker“ begehen. Wenn wir uns diesen Herausforderungen stellen, werden wir auch unseren Anspruch auf umfassende Angebotsstellung und Umsetzung unserer Leitgedanken gerecht, Leitgedanken die da heißen, „wir bieten für alle Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen und solche, die davon bedroht sind
Betreuungsangebote.“
W. Hofrat Univ.-Doz. Prim. Dr. Werner Schöny,
Obmann pro mente austria
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