Die Struktur der Arbeit erlaubt dem Arbeitenden die Selbstkontrolle und hilft ihm bei der Entscheidung = Ermessensspielraum. Arbeit beinhaltet Zusammenarbeit mit anderen Menschen und ist damit eine soziale und emotionale Aktivität. Arbeit dient der Strukturierung des Tagesablaufes, Feeling in der Arbeitszeit und in der Freizeit (= strukturelle Anpassung).
Probleme im Kontakt
Psychische Störungen zeigen sich für Betroffene und ihr Umfeld primär in zwischenmenschlichen Kontakten und der Art der Wahrnehmung, welche als „anders“ erlebt wird. Ausgehend von der Sozialfunktion der Arbeit und wenn man berücksichtigt, dass gerade für die Betroffenen die soziale Anerkennung als Aspekt der Arbeit von besonderer Bedeutung ist, wird deutlich, dass für Menschen mit psychischen Problemen die Rollenfindung in der Arbeit dadurch erleichtert wird, dass diese Rollenfindung nicht allein durch Fähigkeiten im sozialen Kontakt determiniert wird. Die Bestimmung erfolgt auch durch berufliche Leistungsfähigkeit und Kompetenz. Arbeitsangebote müssen in ihrer Vielfalt den Anforderungen gerecht werden, dass Menschen je nach unterschiedlicher Lebensphase nicht zum Nichts-Tun verdammt werden. Selbst schwere psychische Erkrankungen werden heute sehr viel kürzer stationär behandelt als noch vor wenigen Jahren. Nach einer Entlassung aus der Klinik muss im heimischen Wohnumfeld die medizinische Weiterbehandlung ergänzt werden durch Hilfen bei der Bewältigung des Alltags, bei der Tagesgestaltung, bei sozialen Kontakten und nicht zuletzt bei Beschäftigung und Arbeit. Selbst bei Menschen mit einer Invaliditätspension bleibt die Frage von Beschäftigung bestehen, denn nur wenige können und wollen „den ganzen Tag lang nur wohnen“.
Arbeit und Sinn stiftende Tätigkeit sollten zeitlich begrenzt oder dauerhaft, unverbindlich oder rechtlich verpflichtend sein, einzelne Stunden in der Woche oder eine ganze Arbeitswoche umfassen, und natürlich sind auch Schulung, Ausbildung oder Vorbereitung auf eine Qualifizierung als Arbeit zu bewerten.
Der Arbeitsbereich und Angebote in diesem Bereich in der Steiermark können nach wie vor als „ein vernachlässigter Bereich“ bezeichnet werden. Graz und Graz Umgebung verfügt über eine dichte Infrastruktur an Arbeitsangeboten, aber in den weiteren Regionen existieren kaum Angebote für Menschen mit psychiatrischer Karriere.
Schwierige Integration
Die Arbeit und Integration in den freien Arbeitsmarkt für Menschen mit Handicaps, welcher Art immer, wird immer schwieriger.
Hier gilt es neue Wege und Modelle zu beschreiten, um mittels einer Vielfalt an Unterstützung eine Wiedereingliederung zu gewährleisten.
Eine Auswahl der hier notwendigen Einrichtungstypen
Arbeitsrelevante Kompetenzförderung
Arbeitstraining
Arbeitsfähigkeitsprofilerstellung
Berufsdiagnostik
Betriebliche Rehabilitationsmaßnahmen
Arbeitsassistenz
Berufliches Integrationsmanagement
Integrationsassistenz
Trialog
Trainingsfirmen
Sozialökonomische Betriebe
Gemeinnützige Arbeitskräfteüberlassung
Förderungen Land Steiermark
Förderungen Bundessozialamt
Beschäftigung in einer Werkstatt für Behinderte
Teilzeit-Werkstätten
All diese Einrichtungen decken spezifische Bedürfnisse der betroffenen Menschen ab. Es sollte in jeder Region eine Vielfalt an Angeboten geben, um es Betroffenen zu ermöglichen, auch schrittweise den Einstieg in den Berufsalltag zu finden.
Wenn man versucht, den Lebenswelten vor allem chronisch psychisch kranker Menschen gerecht zu werden, scheinen mir zwei Grundprinzipien sinnvoll: zum einen die Anerkennung von Arbeit als Identitäts- und Sinn stiftendes Element, zum anderen eine relative Entkoppelung vom Ziel der Integration auf den ersten Arbeitsmarkt.
Dies sollte allerdings nicht so sehr in Richtung von Sonderarbeitsmärkten geschehen, sondern eher im Sinne der Schaffung von eigenen "Lebenswelten", Eigenwelten und eigenständigen Arbeits- und Berufsmöglichkeiten, die nicht in Konkurrenz zum um den Leistungsbegriff zentrierten produktivistischen Kern der Gesellschaft auf dem ersten Arbeitsmarkt stehen.
Anforderungen an die Planenden
- Schaffung eines finanziellen Netzwerkes, welches eine Vielzahl an Arbeitsformen zulässt.
- Abschied vom impliziten Vollbeschäftigungsmodell und dem damit verbundenen Druck auf Einrichtungen und Personal psychisch kranke Menschen in den Arbeitsmarkt (wieder-)eingliedern zu müssen.
- Das bedeutet auch, die Suche nach einem „Dritten" zwischen beruflicher Karriere und I-Pension und/oder Sozialhilfe.
Anforderungen an Veränderungen innerhalb des Systems
- Differenzierung der Ziele auf der Basis einer stärker prozessorientierten, begleitenden Diagnostik und der Entwicklung von individualisierten Behandlungskonzepten im Sinne der vorgelegten Konzeption der "Personenzentrierten Hilfen" unter aktiver Einbeziehung des/der Betroffenen.
Hilfeplanung aus einer Hand im Sinne des "Case-Management":
kontinuierliche Vertrauensperson, die dem/der Patienten/-in assistierend zur Seite steht, ohne ihm/ihr überfürsorglich Aufgaben abzunehmen.
- Durchlässigkeit und Flexibilität der Hilfen.
- Vielfalt der Hilfsangebote.
- Schaffung von Angeboten einer modularen Qualifikation.
- Suche nach stabilen Arbeitsverhältnissen (Struktur, Vertrautheit, Einbindung, Anerkennung, Assistenz im Hintergrund).
von Andrea Zeitlinger, Obfrau von pro mente Steiermark und Expertin im Bereich der Beruflichen Rehabilitation
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