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[30.Mai.2007] Die Depression als Volksleiden: Erste Mental-Health-Europe-Konferenz tagt in Wien

Immer mehr Menschen fühlen sich wertlos und sehen keine Zukunft mehr: Bis zum Jahr 2020 wird laut Experten die Depression neben Herz-Kreislauferkrankungen zu den am weitesten verbreiteten Krankheiten gehören. Bei den Spitals-Aufenthalten liegen psychische Erkrankungen in Österreich bereits an zweiter Stelle. Mindestens jeder Vierte ist einmal in seinem Leben betroffen, sagte der oberösterreichische Psychiater Werner Schöny, Obmann von pro mente Austria, am Mittwoch in Wien, berichtet die "Wiener Zeitung".

An Depressionen leiden in Österreich rund 400.000 Menschen, sagte Siegfried Kasper von der Wiener Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Die Krankheit, bei der im Gehirn fast doppelt so viel des Stresshormons Cortisol ausgeschüttet wird als normal, komme praktisch in allen gesellschaftlichen Schichten vor. Dennoch gebe es Personen, die von psychischen Erkrankungen besonders bedroht sind, erörterte Schöny: Randgruppen, Migranten, Frauen, junge sowie allein stehende ältere Menschen.

Suizidrate steigt stark.Vor allem Jugendliche seien immer stärker betroffen, so Schöny. Suizid rangiere unter den häufigsten Todesursachen bei jungen Menschen. Generell gebe es in Österreich mehr Tote durch Suizid (2005: 1392) als durch Verkehrsunfälle (768). Die Selbsttötungsrate sei von 1950 bis 1995 um 60 Prozent gestiegen. Experten befürchten weitere dramatische Anstiege. Mitschuld am Vormarsch psychischer Erkrankungen habe etwa ein steigender Druck in der Arbeitswelt bei gleichzeitig immer weniger Sicherheiten: Partnerbeziehungen und Familien werden fragiler, sagte Alfred Pritz von der Sigmund Freud Privatuniversität in Wien. Die soziale Unsicherheit sei groß. Depressionen nehmen seit 1950 jährlich zu, das Interesse an den Erkrankungen werde gleichzeitig weniger, kritisierte Kasper. Patienten hätten zudem mit Stigmatisierung zu kämpfen, betonte Robert Schlögel vom Gesundheitsministerium. Er kündigte eine Antidiskriminierungskampagne an, damit psychische Probleme als organischen Beschwerden gleichwertig betrachtet werden.

Europaweite Kampagne. Das selbe Ziel – eine Aufwertung der psychischen Gesundheit – verfolgt auch die erste Mental Health Europe-Konferenz von Donnerstag bis Samstag in Wien. Mehr als 200 internationale Experten aus Wirtschaft, Politik und Medizin diskutieren Strategien zur Förderung psychischer Gesundheit im Haus der Industrie am Schwarzenbergplatz. "Wir wollen, dass jedes Land in Europa einen nationalen Plan für die seelische Gesundheit hat", sagte die Präsidentin von Mental Health Europe (MHE) Malgorzata Kmita.

Zitiert aus:
Wiener Zeitung vom 31. Mai 2007

Tagungsbericht zum Download:

mhe-bericht [3 MB]

Weitere Links:

"seele im schatten - hilfe bei depression": eine info-kampange von pro mente OÖ.
depression.at: ein Service von Lundbeck Austria



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